Geschichte des bfv

Die Jahre 1868 bis 1945

Seit 1868 widmet sich der Bund für Volksbildung volksbildnerischen und kulturellen Aufgaben in Frankfurt am Main Höchst und den westlichen Stadtteilen. Von den Anfängen im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und der traurigen Gleichschaltung in den Jahren 1933 bis 1945 hat der Bund unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg seine volksbildnerischen Aufgaben wieder aufgenommen und kontinuierlich bis in die heutige Zeit weitergeführt.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich ein stetiger Wandel in den Aufgabenfeldern vollzogen, zumal eine Anpassung und ein stetes Eingehen auf die wechselnden Bedürfnisse der Bevölkerung Grundlagen für die volksbildnerischen und kulturellen Bestrebungen des Höchster Bundes bildeten. Eng verbunden mit diesem Aufgabenwandel waren die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen sowie die industrielle Entwicklung im Deutschen Reich und in der Stadt Höchst am Main.

Sicher ist es kein Zufall, dass das größte Industrieunternehmen von Höchst, die Hoechst AG, und der Bund für Volksbildung fast gleichaltrig sind. Nur fünf Jahre zeitliche Differenz liegen zwischen der Gründung der Farbwerke Hoechst und den ersten volksbildnerischen Bestrebungen in Höchst. Waren es doch vor allem die Arbeiterschaft und das aufgeklärte Bürgertum, die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die Initiative für die Volksbildung ergriffen und unter dem Motto "Wissen ist Macht" den Höchster Fortbildungsverein gründeten, der der Vorläufer des späteren Bundes für Volksbildung wurde. Mehr gesellschaftliche, bildungsmäßige und kulturelle Partizipation waren die Ziele der ersten Bestrebungen, die vor allem darauf ausgerichtet waren, dass die von der so genannten "höheren Bildung" ausgeschlossenen Bevölkerungsgruppen sich weiterbildeten und an dem kulturellen Leben teilnehmen konnten.

Eine Volkslesehalle mit einem ansehnlichen Buchbestand, Vortragsveranstaltungen sowie kulturelle Aktivitäten, die unmittelbar an die Lebens und Arbeitssituation der Bevölkerung anknüpften, sollten zu stärkerer Beteiligung an Bildung und Kultur hinführen.

Die volksbildnerischen Bestrebungen in der Weimarer Republik, die im gesamten Deutschen Reich festzustellen waren und die mit der ersten öffentlichen Förderung der Volksbildung durch Städte und Gemeinden verbunden waren, brachten auch in der Stadt Höchst die Volksbildungsarbeit weiter voran. Im Jahre 1919 firmierte die Volksbildung in Höchst zum ersten Mal unter dem Namen "Bund für Volksbildung Höchst am Main". Im Jahre 1923 wurde dann in Höchst auch eine Theatergemeinde nach den Grundsätzen der Volksbühnenvereine gegründet. Als dieser Bund für Volksbildung Höchst dann durch die großzügige Spende der Familie Herbert von Meister das Herbert-von-Meister-Heim, das spätere Volksbildungsheim, erhielt, hatte der Höchster Bund für Volksbildung fortan ein eigenes Domizil für seine volksbildnerischen und kulturellen Aktivitäten.

Dieses Volksbildungsheim mit seinem Saal für ca. 800 Besucher, seinem kleinen Saal für ca. 100 Besucher sowie mit seinen Gruppen und Funktionsräumen entwickelte sich zu einem kulturellen Zentrum für Höchst und wurde bis zum Abriss im Jahre 1975 für alle volksbildnerischen und kulturellen Veranstaltungen genutzt, die der Bund für Volksbildung im Rahmen seiner Bestrebungen anbot und durchführte. Als im Jahre 1928 die Stadt Höchst von der Stadt Frankfurt am Main eingemeindet wurde, wurde in dem Eingemeindungsvertrag ausdrücklich festgelegt, dass die Stadt Frankfurt am Main die kulturellen und volksbildnerischen Aufgaben und Aktivitäten des Höchster Bundes weiter zu fördern und zu unterstützen habe. Selbstverständlich war damit auch die private Förderung des Volksbildungsvereins durch die ortsansässige Industrie sowie durch private Förderer und Mäzene verbunden.

So konnte der Höchster Bund für Volksbildung in der Zeit der Weimarer Republik seine Arbeit erfolgreich fortsetzen und vor allem der sozialen und gesellschaftlichen Situation der unteren Bevölkerungsschichten Rechnung tragen. Zielgruppenarbeit besonders für die in der Zeit der großen Wirtschaftskrise arbeitslos gewordenen Bevölkerungsschichten sah der Höchster Bund als eine besondere Aufgabe an, der er unter anderem durch Beschäftigungsprogramme für die Arbeitslosen Rechnung trug.

Die soziale Verpflichtung von Volksbildungs- und Kulturarbeit war eine selbstverständliche Prämisse für die damaligen Verantwortlichen des Bundes.

Diese Arbeit wurde jäh unterbrochen, als die Nationalsozialisten am 25. April 1933 den Höchster Bund gleichschalteten und im Rahmen einer "NS-Kulturgemeinde" Kultur und Volksbildungsarbeiten nach ihren ideologischen, völkischen und rassistischen Vorstellungen umfunktionierten. Diese traurige Unterbrechung freier und unabhängiger Volksbildungs- und Kulturarbeit dauerte von 1933 bis 1945, bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Diktatur.

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