Geschichte des bfv

Die Jahre 1946 bis 1986

Bereits Ende 1945, nachdem die amerikanischen Militärbehörden dem Höchster Bund für Volksbildung die Lizenz für die Weiterführung der Kultur und Bildungsarbeit wenn auch unter gewissen Auflagen erteilten, fanden sich mutige und engagierte Männer der "ersten Stunde", die den Bund für Volksbildung wieder ins Leben zurückriefen und mit den ersten Vortrags und Kulturveranstaltungen an die Öffentlichkeit traten. Am 24. März 1946 fand im "Neuen Theater" in Höchst die erste öffentliche Vortragsveranstaltung des Höchster Bundes statt, die sich mit dem Thema "200 Jahre Höchster Porzellan" befasste und von kulturellen und musikalischen Rahmenveranstaltungen begleitet war. Ein volles Haus bestätigte das große Interesse, das die Bevölkerung an der Wiederaufnahme der Bildungs- und Kulturarbeit zeigte. Das von den Amerikanern beschlagnahmte Volksbildungsheim Höchst wurde erst 1956 wieder freigegeben und von der Stadt Frankfurt am Main für rund 400.000 DM renoviert. Höchst erhielt damit wieder seinen kulturellen Mittelpunkt, und der Höchster Bund für Volksbildung nahm das alte, neue Haus wieder voll in Besitz und erfüllte es mit neuem Leben. Kultur und Volksbildungsarbeit hatten wieder die räumlichen Voraussetzungen, die es ermöglichten, mit Theater, Konzert und Filmveranstaltungen sowie mit Volksbildungskursen wieder an dem alten, für die Höchster Bevölkerung gewohnten Ort in Erscheinung zu treten und zu wirken. Die Resonanz bei der Bevölkerung war sehr groß, an Zuschauern und Teilnehmern fehlte es nie, und fast reichten die vorhandenen Räumlichkeiten kaum aus, um alle Bildungs- und Kulturbedürfnisse sowie die kommunikativen Wünsche von Gruppen und Vereinen zu befriedigen.

Der Höchster Bund baute sein Kultur und Volksbildungsprogramm systematisch aus, zumal die Nachfrage nach solchen Angeboten ständig stieg. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass der Nachholbedarf bei den Menschen enorm groß war und es noch keine Konkurrenz durch übergreifende Medien wie etwa das Fernsehen gab.

Neben der Kulturarbeit baute der Höchster Bund seine Abteilung Volkshochschule stetig und intensiv aus, was unter anderem auch dadurch begünstigt wurde, dass die öffentliche Förderung der Volksbildungsarbeit durch Stadt und Land wesentlich verbessert wurde. Das im Jahre 1970 erlassene Hessische Volkshochschulgesetz, das neben der stets hohen und kontinuierlichen städtischen Förderung der Volksbildungsarbeit eine Verbesserung der Förderung durch das Land Hessen brachte, ermöglichte es dem Höchster Bund, den Volkshochschulbereich weiter auszubauen und vor allem zu professionalisieren. Die Abteilung Volkshochschule des Höchster Bundes erreichte dadurch einen erheblichen Aufschwung, der zu stets steigenden Besucherzahlen für Volkshochschulkurse und Seminare führte. Ein breit gefächertes Volkshochschulprogramm mit Theater, Konzerten, Ausstellungen, Filmveranstaltungen und Festen im Höchster Volksbildungsheim führte zu ungeahnten Besucherzahlen und einer ständigen Belegung aller Räume im Höchster Volksbildungszentrum. Umso überraschter und erstaunter war die Höchster Bevölkerung, als im Jahre 1975 das Höchster Volksbildungsheim abgerissen wurde und dem Bildungs- und Kulturzentrum Höchst Platz machen musste, das mehr für Bildungs- und Sportveranstaltungen als für eine kulturelle Nutzung geeignet war, für die eigentlich nur der Bürgersaal im BIKUZ zur Verfügung stand.

Als im Jahre 1976 die Höchster Volkshochschule kommunalisiert, in ein städtisches Amt eingegliedert wurde, musste der Höchster Bund für Volksbildung das Schwergewicht seiner Arbeit auf kulturelle Angebote verlegen, wofür leider nur der große Saal im BIKUZ Höchst zur Verfügung stand. Die Größe des Saals, das zu sachliche Ambiente und die multifunktionale Nutzung führten dazu, dass der Höchster Bund Überlegungen darüber anstellen musste, wie er seine vielfältige Kulturarbeit zeitgemäß und nachfragegerecht weiterführen sollte.

Ein Hinterhaus in der Königsteiner Straße 49, das zuvor gewerblich als Werkstatt, Büro und Lager genutzt wurde, konnte vom Bund für Volksbildung Höchst angemietet und für rund 70.000 DM umgebaut und der kulturellen Nutzung zugeführt werden. Der Name des neuen Domizils "KULTURTREFF" deutete darauf hin, dass hier ein dezentraler Spiel und Kommunikationsort eingerichtet wurde, der Kulturarbeit vor Ort mit Kulturangeboten "um die Ecke" ermöglichte. Kleinkunst, Konzerte, Theater, Vortragsveranstaltungen und viele andere kulturelle Aktivitäten konnten nach dem Umbau dort angeboten und durchgeführt werden. Darüber hinaus hatte das Haus auch die Funktion, als Kommunikationsort für Vereine und Bevölkerungsgruppen der verschiedensten kulturellen und gesellschaftspolitischen Interessen zu dienen. Nicht alternative Kultur, sondern Kultur in großer Vielfalt führten zu einer starken Nutzung dieses Spiel und Kommunikationsortes. Fast stets waren die vorhandenen Räumlichkeiten voll belegt, und der Bund musste trotz Bedenken mit größeren Veranstaltungen in den Bürgersaal des BIKUZ ausweichen, der nur beschränkt zur Verfügung stand. Auch das Filmforum Höchst, seit 1976 Bestandteil der kommunalisierten Volkshochschule, spielte im großen Saal des BIKUZ und musste mehr als oft Veranstaltungen ausfallen lassen, wenn der große Saal im BIKUZ an andere kommerzielle und externe Mieter vergeben war.

Die Situation des Höchster Bundes mit dem viel zu kleinen Kulturtreff und dem nur wenig zu nutzenden BIKUZ-Saal fing an, bedrohlich zu werden, weil der Bund den vielen kulturellen Anforderungen, Wünschen und Bedürfnissen der Bevölkerung nicht mehr in vollem Umfang entsprechen konnte. Oft mussten Interessenten wegen Überfüllung von Veranstaltungen nach Hause geschickt werden. Immer häufiger zeigte sich, dass der Verlust des Höchster Volksbildungsheims auch einen Verlust an kulturellen ldentifikationsmöglichkeiten für die Bevölkerung von Höchst bedeutete.

Der Bund für Volksbildung blieb nicht untätig in seinem Bemühen, andere Räumlichkeiten für seine Kultur und Bildungsarbeit zu finden. Vorhandene Rücklagen wurden für den "Tag X" zinsgünstig angelegt und reserviert.

Viele Objekte wurden besichtigt, aufgesucht und geprüft, ob sie für die Aufgaben des Bundes geeignet wären. Standort, räumliche Voraussetzungen, Kostenschätzungen für Einrichtung und Umbau führten allzu oft zu dem Ergebnis 'nicht geeignet".

Das Wagnis und die Entscheidung zur Anmietung neuer Räumlichkeiten konnte erst eingegangen und getroffen werden, als in Höchst in der Emmerich-Josef-Straße das Excelsior-Kinocenter schloss und ein neuer Mieter für dieses Kinozentrum gesucht wurde. Es bestand im übrigen die Gefahr, dass diese bisher als Kino genutzten Räumlichkeiten durch Vermietung einer gewerblichen Verwendung zugeführt werden könnten, z.B. als Supermarkt, als Spielhalle etc. Das Interesse des Höchster Bundes, dieses Haus für die Kultur im Stadtteil zu retten, fand lebhafte Unterstützung bei der Höchster Bevölkerung, insbesondere der Bürgervereinigung Höchster Altstadt sowie vielen Persönlichkeiten aus dem politischen und kulturellen Leben.

Verhandlungen mit dem Kulturdezernenten, Prof. Hilmar Hoffmann, dem Stadtkämmerer und anderen Magistratsmitgliedern führten zu einer Besichtigung der Liegenschaft vor Ort und der Entscheidung der Stadt Frankfurt am Main, die Räumlichkeiten anzumieten und dem Bund für Volksbildung Höchst zur kulturellen Nutzung zu überlassen. Nicht zuletzt hat sich auch der frühere Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, Dr. Walter Wallmann, als damaliger Dezernent für die westlichen Stadtteile für die kulturelle Nutzung des Hauses durch den Höchster Bund eingesetzt. Dass der Höchster Bund nunmehr auch seine für diesen Tag gebildeten Reserven von etwa 500.000 DM für den Umbau der Räumlichkeiten einsetzen konnte, hat selbstverständlich auch mit dazu beigetragen, dass das Projekt "NEUES THEATER" verwirklicht werden konnte. Dem Bund für Volksbildung Höchst steht nunmehr wieder ein Haus zur Verfügung, in dem er seine vielfältigen kulturellen Aktivitäten entfalten kann. Durch die Integration des Filmforums Höchst der Volkshochschule der Stadt Frankfurt am Main ist außerdem dafür Sorge getragen, dass es in Höchst und im Westen Frankfurts wieder einen regelmäßigen Kinobetrieb gibt, der Filmveranstaltungen für Erwachsene und Kinder ermöglicht. So schließt sich der Kreis, der Bund kehrt dahin wieder zurück, wo er 1946 mit seiner ersten Veranstaltung nach dem Kriege begonnen hat.

nach oben