zu: Höchster Kulturpalast Bolongaro
Höchster Stadt-Gespräch – EXTRA
Sonntag, 7. Februar 2010, 11.00 – 13.00 Uhr
Neues Theater Höchst
Höchster
Kulturpalast Bolongaro
Bericht
und Resümee
Edgar
Weick: Eröffnung
Die Anregung zu diesem Höchster Stadt-Gespräch – EXTRA haben
wir gerne aufgegriffen. Wir können heute geradezu an das Gespräch
anknüpfen, das am 1. November so viele hier in dem Raum bewegte und
beschäftige: Was wird aus dem Bolongaropalast? Eine ansprechende
kulturelle Nutzung war einmal geplant. Dieses für Frankfurt
einmalige Barockgebäude sollte ein Ort werden, in dem Geschichte
und Kultur der Stadt und des Stadtteils Höchst zusammengeführt
wird. Die „Stadt Höchst“ muß betont werden – und
auch wieder sichtbar werden.
Sie alle kennen die Geschichte der letzten Monate. Das
ursprüngliche Konzept wurde ohne jegliche Beteiligung der Höchster
gekippt. Ein Sanierung- und Nutzungskonzept wurde im Juli 2009
vorgestellt, in dem die ursprünglich betonte „Hauptsache
Kultur“ zu einer Nebensache heruntergestuft wurde. Der
Widerstand konnte nicht ausbleiben. Nicht zuletzt die Planung einer
Kindertagesstätte zu Lasten der kulturellen Nutzung war für viele
gänzlich unverständlich. Der Fall Bolongaropalast mobilisierte mehr
Menschen als je ein anderes lokales Ereignis. Und am Fall
Bolongaropalast entzündete sich eine Diskussion über das Verhältnis
der Bürger zur Kommunalpolitik, zum Umgang „der
Politik“ mit den Bürgern.
Ein Lehrstück waren die letzten Wochen und Monate, ein Lehrstück,
in dem durchaus Momente einer Refeudalisierung der Politik sichtbar
wurden. Vorgerechnet wurde, was alles für Höchst und die Höchster
getan wurde – und Dankbarkeit wurde erwartet. Entsprechend
empfindlich waren die Reaktionen – und das spricht wiederum
für eine Kultur des Demokratischen, über die wir uns alle nur
freuen können.
In diesem Lehrstück finden wir auf der lokalen Ebene bestätigt,
worüber der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger neulich in
Kopenhagen bei einer Preisverleihung gesprochen hat. In dieser Rede
ging es um Europa, doch seine „Erzählungen vom Vormund“
sind durchaus übertragbar auf Frankfurt. Er schließt seine Rede mit
dem nachdenklichen Hinweis: „Die Politik ist nur für die
Politiker ein Beruf, für alle anderen ist sie hauptsächlich
Notwehr. Verzeihen Sie mir, daß ich Sie damit belästigt
habe.“ Auch dieser Bitte schließe ich mich an.
Die Höchster Stadt-Gespräche sind mit dem Anspruch angetreten, zu
einer solchen Kultur des Demokratischen einen Beitrag zu leisten.
Ich hatte im Juni letzten Jahres die Gelegenheit, die Idee dieser
Höchster Stadt-Gespräche der Oberbürgermeisterin kurz
vorzustellen:
Die „Höchster Stadt-Gespräche“ wollen im guten Sinne
einer aktiven Bürgerbeteiligung ein öffentliches Forum für alle
bieten. Das Leben und Zusammenleben in diesem Stadtteil soll hier
außerhalb organisierter Interessen thematisiert werden. Die
Beteiligten an diesen Gesprächen verstehen sich als Leute, die
etwas zur Förderung des „Gemeinwohls“ tun wollen und
auch tun. Ihr Blick ist auf eine bessere Zukunft gerichtet.
Darum soll es auch heute gehen. Wir wollen uns konzentrieren auf
das Sinnvolle, das Notwendige, auf das Attraktive, das uns die
Renovierung und der Umbau des Bolongaropalastes ermöglichen. Viele
Ideen und Wünsche sind gefragt. Was dann am Ende realisierbar sein
wird, das muß ausgehandelt werden. Zur Beteiligung sind die
Höchster inzwischen eingeladen. Das nehmen wir gerne zu Kenntnis,
allerdings ohne dafür dankbar zu sein. Denn diese Beteiligung ist
das demokratisch Gebotene, die Dankbarkeit wäre ein Gestus von
Untergebenen.
Wir freuen uns sehr, daß für unser heutiges Gespräch Herr Dr.
Alexander von der Lokalredaktion der FAZ die Moderation übernimmt.
Er kennt sich in Höchst gut aus, er wohnt hier, wenn ich das
hinzufügen darf.
Ralf Ebert: Die Regierung und ihr undankbares Volk
Geschichte der Initiative „Hauptsache Kultur in den
Bolongaropalast“
Der Museums-Palast
Als vor einigen Jahren
die Frankfurter OB den Beschluss fasste, den an vielen Stellen
marode gewordenen Bolongaropalast zu sanieren, sollte er zu einem
Schmuckstückchen gemacht werden, das Höchst eine Attraktion über
seine (und überhaupt Frankfurts) Grenzen hinaus bescheren sollte.
Dabei stellte sich frühzeitig die Frage nach der künftigen Nutzung;
man wollte ja nicht in kommenden Leerstand investieren. Nach
einigen verworfenen Überlegungen (u.a. war mal eine edle Shopping
Mall im Gespräch) erteilte die Stadt einen Planungsauftrag an ein
Marketing-Büro in Ludwigsburg bei Stuttgart, das schon die
Konzeption zur Aufwertung und Vermarktung des dortigen Schlosses
erstellt hatte, einer der größten barocken Schlossanlagen
Deutschlands, 1735 als absolutistisches Residenzschloss des Herzogs
von Württemberg fertiggestellt. Dieses Büro entwickelte nun die
Vorstellung, den als bürgerlichen Wohn- und Repräsentationsbau
errichteten Bolongaropalast nutzbar zu machen in einer Mischung aus
städtischer Verwaltung (Bürgerbüro), Ausstellungsflächen
(Porzellanmuseum, Sammlungen zur Höchster Geschichte, Juden in
Höchst, historische Musikinstrumente), einem großen
Gastronomiebetrieb mit gehobenem Anspruch sowie einem professionell
zu betreibenden Veranstaltungssaal. Mit einer aufwändigen
Gestaltung der Museumslandschaft und des Veranstaltungssaales
(Innenhofüberdachungen, edle Materialien etc.) sollte eine
überregionale Ausstrahlung des Museums-Palastes erreicht werden -
wenn man schon Geld in die Hand nahm, dann sollte auch etwas dabei
herauskommen.
Für
Höchst zu teuer?
Die Planungen waren
auch in Zusammenarbeit mit den ausgedeuteten Betreibern
(Historisches Museum Frankfurt / Porzellanmuseum, Neues Theater
Höchst, einen potentiellen Betreiber für die Gastronomie hatte man
auch) schon relativ weit fortgeschritten, als in der zweiten
Jahreshälfte 2008 die Stimmen innerhalb der Stadt lauter wurden,
die Pläne der OB sprengten den vorgesehenen Kostenrahmen und
brächten unkalkulierbare Folgekosten mit sich; da hatte die
Finanzkrise grade ihren ersten Höhepunkt erreicht und ließ die
Verschuldungs-Ängste wachsen. Noch im Dezember 2008 gab es konkrete
Planungen zwischen etwa Hochbauamt und Neuem Theater zur
Ausgestaltung des Veranstaltungs-Saals, während anscheinend
gleichzeitig die grundsätzlichen Entscheidungen in andere
Richtungen gefällt wurden.
Der
Kinder-Palast
Anfang 2009 gab es die
ersten Presseberichte, dass die Stadt nunmehr statt einer
kulturellen Nutzung in einem kompletten Schwenk gar keine konkreten
Pläne mehr in diese Richtung verfolge, sondern nunmehr als
hauptsächliche Nutzung (neben einigen Ämtern und weiterhin einem
großen Gastronomiebetrieb) eine Kindertagesstätte in diesem
historischen Baudenkmal unterbringen wolle. Schon im Februar 2009
reagierte auf diese Presseberichte die Bürgervereinigung in einem
öffentlichen Schreiben mit der Forderung an die Planer, doch bei
einem - wenn auch möglicherweise abgespeckten - Kultur-Konzept zu
bleiben; dass eine Institution zur Kinderbetreuung auch in diesem
Rahmen unterbringbar wäre, wurde nachdrücklich eingeräumt. Hierbei
wurde z.B. schon in Frage gestellt, ob ein aufwändig gestalteter
Konzertsaal im mit Glas überdachten Innenhof denn notwendig sei. In
einem kurzen Antwortschreiben vom 19.03.2009 hat die
Oberbürgermeisterin dargestellt, daß „auch unter den neuen
Voraussetzungen eine Lösung gefunden werden soll, mit der alle
Beteiligten zufrieden sein können“. Hier eine kleine
Nebenbemerkung: Das Neue Theater Höchst hat den geplanten
Konzertsaal im Bolongaropalast nie selbst gefordert. Die Idee und
das großzügige Angebot, im Palast eine zusätzliche Spielstätte für
das NTH einzurichten, stammt von Frau Roth, das Neue Theater hat
die Herausforderung, einen Konzertsaal zusätzlich zu seinem
angestammten Domizil zu betreiben, freudig angenommen, dabei aber
frühzeitig darauf hingewiesen, dass ein solcher nicht kommerziell
erfolgreich betrieben werden kann, mit Folgekosten müsse gerechnet
werden. Der Verzicht auf einen solchen Saal würde und wird das NTH
also vor keinerlei grundlegende Probleme in seinem normalen Betrieb
stellen.
Zwischen
Januar und Juni 2009 gab es keinerlei Einbeziehung der Höchster
Bevölkerung in einen Prozess der Neuorientierung und -planung,
weder durch den Ortsbeirat noch als Gespräche mit den vorher
unmittelbar Betroffenen. Am 30.Juni vergangenen Jahres dann stellte
die OB das neue Nutzungskonzept im Rahmen einer Pressekonferenz im
Bolongaropalast vor. Dabei wurde als Begründung für die
Umorientierung vor allem herausgestellt, dass in Höchst ein
erheblicher Mangel an Kindertagesstätten- und Kindergartenplätzen
herrsche und dass Landes- oder Bundesmittel zur Einrichtung
derselben in Anspruch genommen werden
könnten.
Kinder statt Kultur?
Bis Anfang Oktober
dauerte es nun, bis es Reaktionen aus der Höchster Bevölkerung gab.
Vielleicht hat das Thema Kinderbetreuung, das ja seit langem
bundesweit im Gespräch und in der Förderung der Öffentlichen Hand
ist, ein wenig wie ein Widerspruchs-Tabu gewirkt. Wieder war es
zunächst die Bürgervereinigung, die Mitte Oktober in einem Artikel
in „Alt-Höchst“ das neue Konzept umfassend kritisch
beurteilte. Dann ging es Schlag auf Schlag: Andere mitgliederstarke
Vereinigungen in Höchst, die IHH und der Vereinsring Höchst,
allesamt mit einem offenen Ohr nahe an der Meinung der Höchster
Bevölkerung, äußerten öffentlich Kritik am Totalschwenk der
städtischen Planung. Bisweilen gab es von beiden Seiten sogar ein
wenig Polemik.
Hauptsache
Kultur!
Am 1.November fand im
Neuen Theater Höchst ein „Höchster Stadt-Gespräch“ zum
Thema „2030 ist Zukunft im Westen“ statt, in der sich
unerwartet viele Teilnehmer-Stimmen am Thema Bolongaropalast
abarbeiteten. Am 6.November gingen daraufhin die vier Höchster
Institutionen Bürgervereinigung, IHH, Vereinsring und Bund für
Volksbildung mit einer gemeinsamen Erklärung an die Öffentlichkeit,
in der sie forderten: „In den Bolongaropalast muss in der
Hauptsache Kultur!“ Es wurde eine Unterschriftenaktion
gestartet, die inzwischen mehrere Tausend Bürger unterzeichnet
haben.
Höchst
ist kinderfeindlich!
Am 2.Dezember stimmte
der Ortsbeirat 6 einem Antrag der SPD einstimmig zu, dass die
Höchster Bürger in die Planungen zur künftigen Nutzung einbezogen
werden sollen. Am 8.Dezember dann, auf der jährlichen
Pressekonferenz der OB zu ihrer Leistungsbilanz für den Frankfurter
Westen, kam es zum Eklat: Als der OB von den Vertretern der
Initiative ein erster Stoß mit ca. 2000 Unterschriften überreicht
wurde, warf sie der gesamten Höchster Bevölkerung
„Kinderfeindlichkeit“ vor. Das Tischtuch schien
zunächst zerschnitten. Am 14.Dezember dann stellte sich der
Büroleiter der OB, Peter Heine, zusammen mit weiteren Vertretern
der beteiligten Ämter dem Gespräch mit Vertretern der Höchster
Initiative und des Ortsbeirats. Es wurde verabredet, nach
gemeinsamen Lösungswegen zu suchen und dabei
„ergebnisoffen“ zu diskutieren.
Kompromiss
in Sicht!
Im neuen Jahr trafen
sich dann die Vertreter der Initiative im Hochbauamt mit dortigen
Mitarbeitern, um erste Möglichkeiten auszuloten, doch noch zu einem
Kompromiss zu gelangen. Sehr schnell ergab sich ein Bild, warum das
Museums-Konzept so gründlich verworfen worden war: Das war ein
Gesamt-Konzept gewesen, das man nicht aufweichen sondern nur
insgesamt verwerfen konnte, wenn das oberste Ziel, einen
Museums-Palast zu schaffen, der überregionale Ausstrahlung
erreichen sollte, nicht mehr erreichbar schien. Der Rest war ein
Versuch gewesen, den drohenden Leerstand im Palast produktiv zu
vermeiden, indem man mit der Kinderbetreuung Notwendigkeiten
bediente, die sowieso angegangen werden mussten.
Kinder
mit Kultur?
Und doch bot sich
gerade hier die Chance auf einen Kompromiss. Unser Vorschlag, die
beiden tragenden Säulen der verschiedenen Konzepte bewusst
aufeinander zu beziehen, fand in diesem Gremium allseits Anklang.
Warum nicht ein Museums-Palast, der sich ganz besonders um die
Vermittlung seiner Exponate und Inhalte kümmern würde? Der sich
gezielt an die Menschen in seiner direkten Umgebung wenden würde?
Und das wären dann eben auch
„Museumskindergartenkinder“
Ausblick
Am 18.Februar will sich
die OB den Fragen, Ideen und Vorstellungen aus Höchst in einer
öffentlichen Veranstaltung stellen. Im Vorfeld hierzu hat sie schon
mal behauptet, die Höchster hätten zu diesem Termin eine
„Bringschuld“ , mit ihren eigenen, fertigen
Lösungsvorschlägen aufzuwarten. Da wird sich der
„gemeine“ Höchster sicher nicht über Gebühr drängen
lassen: Was städtische Institutionen in ihrer Arbeitszeit über
Jahre hinweg nicht befriedigend fertigkriegen, kann der
interessierte Ehrenamtliche nicht in wenigen Wochen hinbekommen. Wo
hier Zeitdruck aufgebaut werden soll, ist die Verhinderungs-Absicht
leicht erkennbar.
Fazit
Das
Verhältnis zwischen den Institutionen der Stadt Frankfurt und der
Bevölkerung der Westlichen Stadtteile ist in den letzten Jahren ein
eher zwiespältiges geworden. Auf der einen Seite stehen seitens der
Stadt und besonders der OB Bemühungen und tatsächliche
Investitionen in Gestaltung, Substanz und Infrastruktur (Mainufer,
Dalbergplatz, Justinuskirche etc.), auf der anderen der Eindruck
bei weiten Teilen der Höchster Bevölkerung, dass diese
Investitionen sich oftmals in Kosmetik erschöpften und häufig nach
Gutsherrenart verteilt worden sind. Und zentrale Anliegen, den
Stadtteil von ausgewiesenen Schandflecken zu befreien, sind viele
Jahre lang unbeachtet geblieben (Bahnhof, B-Vorplatz). Die Höchster
selbst wurden dabei eher selten beteiligt. Wir wollen, dass dies
anlässlich der Sanierung und Umnutzung des Bolongaropalastes nun
anders werden soll!
Helga Krohn: Einige Ideen zu einem besonderen Kulturzentrum
Unser Thema ist
Programm: Kulturpalast Bolongaro.
Zum Einstieg in die allgemeinen Diskussion über die kulturelle
Nutzung dieses Juwels möchte ich Ihnen einige Ideen und
Vorstellungen unterbreiten, die von der Initiative Hauptsache
Kultur benannt, und in Leserbriefen sowie Gesprächen geäußert
wurden. Dabei beschränke ich mich auf Stichworte für eine optimale
Nutzung – eine Reduktionen auf das, was unverzichtbar ist,
kann in der Diskussion erfolgen.
Das wichtigste ist ein Stadtmuseum, ein Museum wurde Höchst
zugesagt, eine Verlegung in das Kronberger Haus kann viele Jahre
dauern. Es gibt ein historisches Profil von Höchst, das bis in die
Gegenwart reicht und damit soll sich jeder der hier lebt
beschäftigen können. Themen gibt es genügend: Stadtentwicklung und
Stadtgeschichte, Alltagsleben in früheren Zeiten, die Entwicklung
der chemischen Industrie mit ihren Folgen für das bürgerliche und
das proletarische Höchst, das Leben und Schicksal der Juden; Höchst
als Zuwandererstadt. Im Zollturm lagern Schätze, die in die
Öffentlichkeit müssen, Sammlungen können gezeigt werden: das
Höchster Porzellan und historische Musikinstrumente; und
möglicherweise weitere aus privaten Kellern.
Ein Raum für kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen,
kleine Theater- oder Künstlerveranstaltungen ist bei der
derzeitigen Planung im ersten Stock vorgesehen. Das ist positiv und
erweitert das bisherige Angebot, aus dem wir hier heute eine
Kostprobe hören. Diese Veranstaltungen gewinnen aber an Wirkung,
wenn sie in einem Gebäude stattfinden, das ein Kulturzentrum ist,
und nicht ein von Kindertagesstätte und Verwaltung
dominiertes.
Kulturelles Leben kommt in den Palast, wenn Räume für Ausstellungen
zur Verfügung stehen z.B. für Arbeiten von Schulklassen,
Jugendlichen des Jugend- und Kulturzentrums, der Volkshochschule
usw. Und natürlich auch für Künstler.
Schön wären Ateliers für Künstler und Räume für workshops,
vielleicht sogar eine Künstlerwohnung. Statt eines Stadtschreibers
hätten wir dann einen Stadtkünstler.
Dass das Bürgeramt mit Kultur verbunden wird, ist vorstellbar. Ein
Tourismus- und Ticketbüro könnte Informationen bereit halten,
Auskunft geben und Karten verkaufen.
Das gleiche gilt für das wünschenswerte Restaurant - Cafè mit
Zugang zum Garten Es soll nicht nur ein angenehmer Aufenthaltsort
für jeden Höchster und alle Besucher sein, sondern z.B. einen
Leseraum haben, selbst Lesungen oder Kleinkunstveranstaltungen
durchführen und bei sich mit den anderen kulturellen Aktivitäten
verknüpfen.
Und noch ein letzter ganz wichtiger Punkt: Der Bolongarogarten ist
ein einzigartiges Kulturgut und muss in seiner Schönheit und
Originalität erhalten bleiben.
Zusammenfassung
des Gesprächs und Resümee
In den
nachfolgenden Notizen werden nicht alle Diskussionsbeiträge
wiedergegeben. Es werden in einer Zusammenfassung die inhaltliche
Aussagen der Diskussion festgehalten, die es ermöglichen, ein
Konzept zum Thema dieser Höchster Stadt-Gespräche und unter dem
Anspruch „Hauptsache Kultur“ zu
skizzieren.
Mit
der Renovierung und kulturellen Nutzung des Bolongaropalastes
erfährt Höchst eine besondere Aufwertung. Dieses Barockgebäude kann
mit seinem Park noch stärker als bisher schon zu einen Ort der
Identifikation werden, wenn sich die Menschen, die hier leben, von
diesem Ort angezogen werden und sie sich hier in den kulturellen
Angeboten auch anerkannt sehen. Das Kulturzentrum in diesem Gebäude
kann eine herausragende Bedeutung für den ganzen Frankfurter Westen
bekommen.
Die Mehrheit der
Beiträge betonte die Wichtigkeit eines Museums an diesem Ort. Das
Museum und die Ausstellungen sollen auch die hier lebenden Kinder
und Jugendlichen neugierig machen, auch junge Menschen, die aus
anderen Kulturen zu uns gekommen sind und hier ihr zu Hause
gefunden haben. Höchst braucht einen Ort, an dem etwas über die
Höchster Geschichte bis in die Gegenwart hinein erfahren werden
kann – und das in einer „spielerischen“ Form. Wer
hier war, muß den Wunsch haben, wiederzukommen.
Für eine kulturelle Nutzung wurden über das zentrale Museum hinaus
zahlreiche Vorschläge gemacht. Ausstellungsräume für Schulen,
Gruppen des Jugend- und Kulturzentrums und von Künstlern. Es soll
ein Ort des Begegnens und Feierns werden, der von den Bürgerinnen
und Bürgern auch für private Feiern und Feste genutzt werden
kann.
Höchst, seine Geschichte und seine kulturelle Bedeutung, kann vom
Mainufer aus entdeckt und erschlossen werden: Schloßplatz und
Schloß, Porzellanmuseum, Justinuskirche, künftig das neue
Kulturpalast Bolongaro. Als ein überregionaler „Magnet“
ließen sich diese Ort miteinander verbinden. Eine „kulturelle
Schiffsanlegestelle“ könnte Ausgangspunkt für Besichtigungen
und Museumsbesuche und Besuche der kulturellen Veranstaltungen
sein.
Unverzichtbar ist, daß auch die Aufwertung der Bolongarostraße zur
gleichen Zeit betrieben wird wie die Renovierung und der Umbau des
Gebäudes.
Gegen die geplante Kindertagesstätte wurden zahlreiche Argumente
vorgebracht, besonders auch von Teilnehmern, die in
Kindertagesstätten arbeiten. Gegenüber den angedeuteten
Möglichkeiten, sowohl der „Hauptsache Kultur“ wie auch
den Plänen einer Kindertagesstätte gerecht zu werden, wurde eher
Skepsis geäußert.
Statt der geplanten Kindertagesstätte gehören in das Gebäude
Werkstätten und Räume, die auch von Kindern und Jugendlichen
genutzt werden können. Denkbar wären eine Kunstwerkstatt, eine
„Demokratiewerkstatt“, in der das Handwerk des
demokratischen Umgangs gelernt und eingeübt werden kann,
Ausstellungsräume z. B. für Projekte von Kindern und Jugendlichen,
auch von Migranten, aufgeführt werden kann.
Für das Angebot öffentlicher Dienstleistungen ist nur ein Wunsch
mit erkennbarer Zustimmung geäußert worden: das Standesamt muß im
Bolongaropalast bleiben.
Ein Restaurant und Cafe, das alle zum Verweilen einlädt, soll es
auf jeden Fall geben. Dafür könnte das Cafe im Liebighaus ein
anschauliches und nachahmenswertes Beispiel sein.
Der Bolongaropark ist selbst ein Kunstwerk von hohem Rang und muß
in seiner Einmaligkeit nicht nur unangetastet erhalten bleiben,
sondern auch in Kenntnis der historischen Forschungsergebnisse
aufgewertet werden.
Für alle weiteren Überlegungen und Planungen ist die unabdingbare
Voraussetzung, daß die Planung von dem zeitliche Druck befreit
wird, die bis jetzt noch auf ihr lastet.
Für die geforderte Bürgerbeteiligung sollen Strukturen der
Diskussion und Entscheidung geschaffen werden. Das könnte eine
Planungswerkstatt sein.
Die Einrichtung eines Planungsbeirat wurde verlangt, dem Vertreter
des Ortsbeirats und auch Vertreter der Initiativen, Gruppen,
Einrichtungen angehören, die für eine künftigen Nutzung des
Gebäudes in Frage kommen.
Aus allem ergeben sich folgende konkrete Schritte:
- Gespräche mit dem Ziel einer Aussetzung des Planungsdrucks
- Zusammenfassung und Konkretisierung aller Ideen und Vorstellung zu einer künftigen kulturellen Nutzung
- Einrichtung eines von den Höchster Bürgerinnen und Bürgern mitgetragenen Planungsbeirats
- Einrichtung einer Planungswerkstatt zur konkreten Ausarbeitung eine Konzepts
- Prüfung der Realisierbarkeit unter Berücksichtung der Kosten einschließlich der überschaubaren Folgekosten
- Überarbeitung und Entscheidung
8.2.2010
EW