Höchst 2030 – ein Traum

Ich träume davon, dass 2030 der ganze Stadtteil verkehrsberuhigt im Sinne von Shared Space ist. Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer nutzen als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer die Straße. Es gibt Plätze, auf denen man sich gerne aufhält, die Grünanlagen sind vergrößert und qualitativ aufgewertet und werden regelmäßig gepflegt. Fahrzeuge werden an der Peripherie, im Parkhäusern/Tiefgaragen geparkt, aber es gibt Anfahrtsmöglichkeiten und Parkmöglichkeiten für Anwohner, besonders für Senioren, für Familien mit Kindern, für Kunden, die vielleicht schwere Einkäufe transportieren müssen, für Anlieferverkehr in nicht ganz so gigantisch großen LKWs. Es gibt darum weniger Verkehrslärm und –abgase, die Straßen sind nicht mehr gefährlich, der Schilderwald ist gelichtet und der Straßenraum ist für alle Verkehrsteilnehmer ansprechend gestaltet. Man läuft gerne oder fährt Rad um einzukaufen, Kinder in Schule, Kindergarten oder Sportverein zu bringen. Man wohnt gerne auch in den größeren Straßen.

Die Häuser sind alle in gutem Zustand, es gibt keine verwahrlosten Gebäude mehr, die lediglich ihren Besitzern zu Mieteinnahmen verhelfen. Alle Hausbesitzer kümmern sich um die Instandhaltung ihrer Immobilien und sorgen für menschenwürdige Wohnverhältnisse. Deshalb wohnen die Menschen gerne und auch dauerhaft im Stadtteil, es kommt nicht zu ständiger Fluktuation und es bildet sich leichter eine soziale Nachbarschaft. Darum sind auch alle an ihrem Stadtteil interessiert, engagieren sich und nehmen Rücksicht aufeinander. Es leben hier Menschen aus allen Generationen, teilweise in Mehr-Generationen-Häusern. Alle Schulen sind saniert, haben ansprechende und gut ausgestattete Klassenräume und Schulhöfe, die der Erholung in den Pausen förderlich sind und in denen sich die Schüler wohlfühlen.

Bewohner und Besucher kaufen auch gerne im Stadtteil ein, denn es gibt nicht nur den Markt, sondern auch viele kleine Einzelhändler für den täglichen Bedarf oder Spezialgeschäfte (Naturkostläden, Feinkost u. sonst. Lebensmittel, Wein, Haushaltswaren, Buchläden, Handarbeitsgeschäft, Schreibwaren, Wäsche, Bekleidung). Man arbeitet auch wieder mehr im Stadtteil. Im Einzelhandel, im Handwerk, als Dienstleister, vielleicht wohnen und arbeiten hier auch Künstler. Deshalb ist der Stadtteil auch tagsüber sehr belebt.

Es gibt ein paar schöne und auch einfache Gaststätten, Cafes und gute Restaurants, die gerne von den Bewohnern, den im Stadtteil arbeitenden Menschen und Gästen aufgesucht werden. Es gibt keine heruntergekommenen zwielichtigen Kaschemmen und Spielhöllen mehr. Aber es gibt nur so viele Gaststätten, dass das Wohnen nicht darunter leidet.
Der Bolongaropalast ist saniert und ein Kulturzentrum mit Museen, Veranstaltungsräumen und einem schönen Cafe oder Restaurant. Die Bewohner, auch Schulen und andere Bildungseinrichtungen, nutzen das vielfältige Angebot. Höchst wird aber auch gerne von kunst- und geschichtsinterressierten Menschen besucht. Dennoch wird die Altstadt nicht von Touristenströmen und Eventbesuchern überrannt und vereinnahmt. Die Altstadt ist nicht Kulisse für verschiedene Events. Feste werden gefeiert, Veranstaltungen werden organisiert, um nicht nur Besuchern, sondern auch den Bewohnern Freude zu machen. Menschen müssen deshalb nicht fortziehen, weil sie zu oft in ihrer Nachtruhe gestört werden und sich als Veranstaltungskulisse missbraucht fühlen.

Claudia Großbach, Landschaftsplanerin

Höchster Visionen: Übersicht