Samuel, 8 Jahre alt, hüpft aus der Haustüre und winkt seinen Freunden zu. Sie kommen über die Wohnstraße gelaufen und gehen gemeinsam zur Schule. Nur an der großen Hauptstraße müssen sie auf den Auto-Verkehr achten, aber das ist nicht schwer, denn es gibt eine Ampel und die wird immer ganz schnell wieder grün - besonders morgens und nachmittags, wenn die Schulkinder unterwegs sind. Seitdem die Autos nicht mehr in den Wohnbezirken parken, gehen die Kinder alle zu Fuß zur Schule und haben auch viel mehr Platz zum Spielen. Niemand schimpft mehr, weil ein Ball an ein Auto prallt. Durch die Verkehrsberuhigung können die Betreuer der jüngeren Kinder jetzt auch einfacher die Spielbereiche erreichen und häufiger mit den Kindern an die frische Luft gehen. Am liebsten toben die Kinder unbekümmert den Brüningpark bis zum Main hinunter. Keine Autostraßen zerschneiden die Rasenfläche und auch die Hundehalter haben gelernt, den Dreck ihrer Hunde mitzunehmen und nicht die Spielplätze zu missbrauchen.
Auf dem Schulhof haben sich schon viele Kinder versammelt, nur wer noch nicht gefrühstückt hat, geht schon mal in die Schulkantine und holt sich ein Brötchen, Gemüse oder Obst. Die älteren Kinder, die Kantinendienst haben, sind eifrig dabei, Obst und Gemüse vorzubereiten, auch schon fürs Mittagessen. Im Team mit einer Ernährungsfachkraft und den Bio- und Sachkundelehrern haben sie eine Menge Erfahrung im Schulgarten und der Küche gesammelt und freuen sich, dass ihre Arbeit so geschätzt wird.
Manche toben ihre Kraft schon mal im Turnraum richtig aus, bis der Unterricht beginnt. Für Samuel findet heute die Mathestunde in der Schulküche statt. Er hat im Internet nach einem Kuchenrezept gesucht und rechnet jetzt, wie viele Kuchen er für seine Klasse backen muss und wie viele Zutaten sie dafür brauchen, wann sie anfangen müssen, was einzukaufen ist und was ein Kuchenstück dann kostet. Die Größeren helfen ihm und seiner Klasse dabei. – Zur Belohnung wird dann auch gebacken und zusammen verzehrt.
Seine tägliche Übungsaufgabe hat er heute ganz schnell und sorgfältig erledigt, damit er auch nicht nacharbeiten muss. Seine Lehrer sind nämlich sehr engagiert und helfen den Kindern bei der Lernkontrolle.
Im Elterncafe plant der Schulsozialarbeiter mit der Schulleitung und interessierten Eltern sowie den Schülern der Schülervertretung Workshops zu den Themen, die letzte Woche in der Eltern-Kinderkonferenz vorgeschlagen wurden:
- Gewaltfreie Erziehung,
- Mitbestimmen und Grenzen ziehen,
- Vorleseprojekt mit dem Seniorenkreis,
- ein Zooprojekt mit dem Tierschutzverein,
- ein Stadtwaldprojekt mit den Förstern,
- Spielen am Liederbach,
- Besuche und Praktika bei den Höchster Handwerksbetrieben –
- schließlich soll auch in den Ferien ein interessantes Angebot für die Kinder vorliegen.
Außerdem sollen die begonnenen Projekte mit den Stadtteilpolitikern und den Vereinen weiterverfolgt werden. Natürlich hilft hier die hauptamtliche Kinderbeauftragte bei der Koordinierung und der Zusammenarbeit der Höchster Schulen. Im Kinderparlament formulieren die Kinder aller Altersgruppen ihre Interessen und beratschlagen die Durchsetzung.
Familien, die sich an Stadtteilprojekten beteiligen, bekommen als Anerkennung zum Beispiel eine Jahreskarte für den Höchster Ringbus. Dieser verbindet die Altstadt und das Lindenviertel, den neuen Umsteigebahnhof und wichtige umliegende Einrichtungen und ist für Kinder bis 18Jahre kostenlos. In den Nachbarschaftszentren finden alle Höchster Bürger und Bürgerinnen wohnortnah Beratung und Unterstützung, sei es bei der Kindererziehung oder Konflikten mit Eltern, hier kann man Nachbarn treffen, kennenlernen und sich gegenseitig helfen.
Für diesen Nachmittag hat sich Samuel für das Projekt „Spielen im Liederbach“ eingetragen, denn heute soll mit dem BUND ein Staudamm gebaut werden. Sein großer Bruder hat ihm erzählt, dass früher der Bach teilweise unter der Straße geflossen ist oder das Ufer so steil war, dass man nicht zum Bach kam. In vielen Projekten haben Kinder und Erwachsene zusammen die Ufer umgebaut und schöne Freizeitflächen geformt- und die Liederbacher Bauern davon abgebracht, ihre Felder zu überdüngen, damit sich die Wasserqualität verbessert.
Um 18 Uhr kommt er nach Hause. Zum Glück ist morgen der Tag nicht so lang. Seine Eltern sind aber froh, dass die Kinder bis mindestens 15 Uhr ein abwechslungsreiches Programm im Stadtteil finden und täglich ein gutes Mittagessen kriegen. Seine ältere Schwester erzählt begeistert, dass der Abenteuerspielplatz Luciuspark jetzt endlich einen Hochseilgarten bekommt, für den sich Kinder schon seit 15 Jahren einsetzen. Seit der Luciuspark zu einem betreuen Spielplatz geworden ist, können hier die Größeren ihre Fantasie ausleben und handwerkliches Geschick entwickeln. Auch die Kleinkinder spielen hier gern, während die Eltern einkaufen oder wenn sie mit ihrer Krabbelgruppe zu Besuch sind. Im Spielhaus ist auch bei schlechtem Wetter immer etwas los und an den Wochenenden gibt es ein Spätprogramm für die Jugendlichen. Alle Angebote können im Internet und an PC-Portalen an öffentlichen Gebäuden abgefragt werden.
Petra Scharf, Kinderbeauftragte für Höchst
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